Ratgeber

Kieler Kopfschmerzkalender nach Prof. Göbel: was er erfasst

Es ist der Kalender, den viele Praxen beim ersten Termin austeilen: ein Raster, eine Zeile pro Tag, Kreuze für Begleitsymptome. Was er festhält, warum er genau so aufgebaut ist, wo das Blatt an seine Grenze kommt und was von der Aufzeichnung übrig bleibt, wenn sie digital weitergeführt wird.

Wer nach dem Schmerztagebuch nach Göbel sucht, meint fast immer dasselbe Blatt: den Kieler Kopfschmerzkalender von Prof. Dr. Hartmut Göbel und der Schmerzklinik Kiel, oft auch ohne Umlaut als Goebel geschrieben. Er ist seit vielen Jahren im Umlauf, wird in Praxen weitergegeben, und die offizielle Vorlage gibt es dort kostenlos (Stand September 2026).

Was auf dem Blatt steht

Der Kalender ist ein Raster über einen Monat. Pro Kalendertag wird eingetragen, ob es ein Kopfschmerztag war, wie stark der Schmerz war, wie lange er angehalten hat, welche Begleitsymptome dabei waren und ob Akutmedikation eingenommen wurde. Mehr Felder gibt es nicht, und das ist Absicht. Ein Kalender, der zwanzig Angaben pro Tag verlangt, ist nach zwei Wochen leer.

Der Aufbau beantwortet genau die Fragen, die im Termin zuerst gestellt werden. An wie vielen Tagen im letzten Monat hatten Sie Kopfschmerzen. An wie vielen davon haben Sie etwas dagegen genommen. Beides sind Zahlen pro Monat, und beide sind aus dem Gedächtnis fast nie richtig.

Warum eine Zeile pro Tag und nicht pro Anfall

Gezählt werden Kalendertage, nicht Attacken. Ob ein Kopfschmerz, der abends wiederkommt, medizinisch dieselbe Attacke ist oder eine neue, ist eine Beurteilung, und die gehört in den Termin und nicht auf Ihr Blatt. Zwei Kreuze an einem Tag machen die Monatssumme falsch, und die Monatssumme ist der Zweck des Kalenders.

Die Einnahmetage sind die zweite Zahl

Die Medikamentenspalte ist nicht dafür da, aufzulisten, welche Präparate Sie besitzen. Sie zählt Tage. Ein Tag mit drei Tabletten ist ein Einnahmetag, nicht drei. Diese Zahl wird pro Monat gefragt und sie ist die Angabe, die aus der Erinnerung am zuverlässigsten falsch ist: unauffällige Tage mit einer einzelnen Tablette bleiben nicht im Kopf. Deshalb steht sie auf dem Kieler Kalender in einer eigenen Spalte und nicht im Fließtext.

Die freien Tage gehören dazu

Auch die Tage ohne Beschwerden werden eingetragen. Zwölf Kopfschmerztage bedeuten etwas völlig anderes, wenn danebensteht, dass der Monat dreißig Tage hatte und achtzehn davon frei waren. Ohne diesen Nenner ist der Kalender eine Sammlung schlechter Tage, und zwei solche Sammlungen aus zwei Monaten lassen sich nicht vergleichen. Das ist ein Punkt, an dem selbst ausgefüllte Kalender im Termin oft scheitern.

Wo das Papierblatt an seine Grenze kommt

Drei Stellen, und sie haben nichts mit der Qualität des Kalenders zu tun, sondern damit, dass Papier Papier ist.

Erstens ist das Blatt nicht dabei, wenn der Kopfschmerz kommt. Es hängt zu Hause, der Eintrag entsteht abends aus der Erinnerung, und bei Beschwerden am Nachmittag ist die Erinnerung an die Stärke bereits geglättet.

Zweitens muss am Monatsende jemand zählen. Kopfschmerztage, Einnahmetage, Ausfalltage: drei Summen, von Hand, aus dreißig Zeilen. Das passiert in der Praxis am Morgen des Termins oder gar nicht.

Drittens hört ein Monatsblatt nach einem Monat auf. Die Frage im Termin lautet aber oft, ob es dieses Jahr besser oder schlechter geworden ist, und dafür müssten zwölf Blätter nebeneinanderliegen.

Was übrig bleibt, wenn Sie dieselbe Aufzeichnung digital führen

Die Kernangaben bleiben dieselben: Datum, Stärke, Medikament. Die Felder der App sind allerdings nicht die Spalten des Kieler Bogens, sondern Körperstelle, Stärke, Schmerzart, Schlaf, Medikamente und Notizen. Der Unterschied liegt in den drei Punkten darüber: der Eintrag entsteht in dem Moment, in dem etwas ist, die Summen werden nicht von Hand gezählt, und der Vergleich über längere Zeiträume steht schon da (in Pain Journal kostenlos für die letzten sieben Tage, längere Fenster mit Premium). Was Sie mitnehmen, ist am Ende wieder eine kurze Übersicht als PDF: die Tage nach Schweregrad, die stärksten Tage mit Datum, die Medikamente mit Datum und die Tageseinträge. Zwanzig Minuten Sprechzeit vertragen eine Übersicht, keinen Stapel.

Wenn das Blatt am Kühlschrank für Sie funktioniert, ist das kein Grund zu wechseln. Der beste Kalender ist der, der im dritten Monat noch geführt wird, und das entscheidet die Gewohnheit und nicht das Medium.

Der Aufbau trägt auch über den Kopfschmerz hinaus

Eine Zeile pro Tag, eine Stärke, eine eigene Spalte für Einnahmetage, die freien Tage als Nenner: dieses Muster funktioniert bei Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen und Fibromyalgie genauso. Was dazukommt, ist die Stelle. Ein reiner Kopfschmerzkalender sieht kein Feld für den Ort des Schmerzes vor, weil er ihn nicht braucht; sobald der Schmerz wandert oder an mehreren Stellen gleichzeitig sitzt, ist genau das die Angabe, die im Termin fehlt.

Häufige Fragen

Wo bekomme ich die offizielle Vorlage?

Bei der Schmerzklinik Kiel, kostenlos (Stand September 2026). Wir geben sie hier bewusst nicht weiter: sie gehört den Herausgebern, und die aktuelle Fassung steht bei ihnen.

Wie lange sollte ich vor dem Termin führen?

Am besten durchgehend, denn die Fragen im Termin beziehen sich auf Monate. Wenn der Termin näher liegt, sind vier bis acht Wochen mit kurzen täglichen Einträgen deutlich brauchbarer als ein Jahr, das im Sprechzimmer rekonstruiert wird.

Was, wenn Tage fehlen?

Lassen Sie sie leer, statt sie nachzutragen. Eine Aufzeichnung mit Lücken ist immer noch eine Aufzeichnung, eine nachträglich erfundene ist keine.

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