Ratgeber

Schmerztagebuch bei Rückenschmerzen: was zwischen zwei Terminen dokumentiert wird

Das Bild ist gemacht, der Befund liegt vor, und er erklärt nur einen Teil davon, wie die letzten Monate wirklich waren. Der Rest existiert nur, wenn ihn jemand aufgeschrieben hat.

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden in der Praxis und zu den am schlechtesten erinnerten. Fast jeder Termin beginnt mit derselben Frage, und fast jede Antwort darauf ist dieselbe: mal besser, mal schlechter. Das stimmt und trägt trotzdem nichts. Was hängen bleibt, ist die schlimmste Woche und der gestrige Tag. Alles dazwischen ist auf einen Satz zusammengefallen.

Bei Rückenschmerzen kommt eine Besonderheit hinzu, die es bei anderen Beschwerdebildern so nicht gibt: es liegt meistens ein Befund vor, und er passt oft nicht zum Verlauf. Bilder zeigen häufig Veränderungen bei Menschen ohne Beschwerden, und sie zeigen manchmal wenig bei Menschen, die kaum aus dem Bett kommen. Deshalb ist die Aufzeichnung dessen, was tatsächlich passiert ist, hier nicht die schwächere Information neben der Bildgebung. Sie ist die Information, die die Bildgebung nicht liefert.

1. Belastung gehört neben die Stärke

Das ist der Punkt, der Rückenschmerzen von den meisten anderen Aufzeichnungen unterscheidet, und der am häufigsten fehlt. Notieren Sie zu jedem Tag eine kurze Angabe, was der Körper an dem Tag geleistet hat.

Sechs Stunden am Schreibtisch. Zwei Stunden Garten. Umzugskisten getragen. Lange Autofahrt. Nichts, den ganzen Tag gelegen. Es braucht kein Bewegungsprotokoll, eine Zeile genügt. Erst mit dieser Zeile wird die Frage beantwortbar, die im Termin fast sicher gestellt wird und die aus dem Gedächtnis niemand ehrlich beantworten kann: hängt es mit etwas zusammen. Wenn sich über acht Wochen zeigt, dass die schlechten Tage regelmäßig auf lange Sitztage folgen, ist das eine Aussage. Wenn sich zeigt, dass sie unabhängig davon kommen, ist das eine genauso brauchbare Aussage, und ohne die Zeile gibt es weder die eine noch die andere.

2. Ort, Seite und wie weit es geht

Schreiben Sie auf, wo es wehtat, und trennen Sie links und rechts. Unterer Rücken links. Zwischen den Schulterblättern. Übergang zum Becken rechts. Nicht "der Rücken".

Dazu die Ausstrahlung, wenn es eine gab, mit Seite und Endpunkt, so weit Sie es beschreiben können: rechts bis zum Knie, links bis in den Fuß, an dem Tag keine. Ob Taubheit oder Kribbeln dabei war, gehört daneben. Beurteilen Sie nicht, welcher Nerv oder welche Struktur beteiligt ist. Die Beschreibung ist Ihr Teil, die Einordnung gehört in den Termin, und eine Aufzeichnung, die bereits eine Deutung enthält, nimmt dem Termin genau das weg, wofür er da ist. Eine Körperkarte, auf der Sie die Stelle antippen statt sie zu formulieren, macht daraus eine Bewegung von einer Sekunde.

3. Zwei Zahlen pro Tag genügen

Für die Stärke reichen zwei Angaben auf der Skala von 0 bis 10 (die App erfasst 1 bis 10; ein schmerzfreier Tag wird einfach nicht eingetragen): wie es an dem Tag überwiegend war, und wie schlimm der schlimmste Moment war. Mehr Zahlen erhöhen den Aufwand, nicht den Inhalt.

Dass eine solche Zahl nicht objektiv ist, stimmt und ist kein Einwand. Sie muss nicht objektiv sein, sie muss über Wochen von derselben Person nach demselben Maßstab vergeben werden. Dann ist sie mit sich selbst vergleichbar, und genau das wird gebraucht, wenn jemand wissen will, ob sich seit der letzten Behandlung etwas verändert hat.

4. Die Nacht ist eine eigene Zeile

Wie die Nacht war, ist bei Rückenschmerzen keine Nebenangabe. Sie gehört zum Beschwerdebild, sie verändert den Folgetag, und sie ist der Teil, den ein Bild nicht zeigt.

Es braucht keine Schlafanalyse. Zwei Angaben pro Tag reichen: wie die Nacht davor grob war, und ob Sie wegen der Schmerzen aufgewacht sind oder die Position wechseln mussten. Wer nur Schmerzstärken notiert, liefert am Ende eine Kurve, die die Hälfte des Alltags nicht enthält, und dann fehlt im Termin ausgerechnet die Angabe, die am ehesten erklärt, warum die Tage so aussehen, wie sie aussehen.

5. Was der Tag gekostet hat

Der wichtigste und am häufigsten ausgelassene Teil ist die Funktion: was an dem Tag nicht ging. Arbeit ausgefallen oder halb geschafft. Termin abgesagt. Einkauf liegen geblieben. Nicht selbst Auto gefahren. Hilfe beim Anziehen gebraucht.

Eine Zeile pro Tag, mit Datum. Vierzehn schlechte Tage lesen sich völlig anders, wenn bei sechs davon ein Arbeitstag ausgefallen ist, und welche sechs das waren, wissen Sie in vier Monaten nicht mehr. Das ist außerdem oft der Teil, nach dem gefragt wird, falls die Aufzeichnung später für Arbeitgeber, Reha, Rentenversicherung oder eine Bescheinigung gebraucht wird. Er lässt sich nicht rückwirkend erzeugen.

6. Behandlungen und Medikamente als Datum, nicht als Note

Notieren Sie, was Sie genommen und was Sie gemacht haben, und vor allem die Daten: angefangen, abgesetzt, Dosis geändert, Physiotherapie begonnen, Spritze bekommen, Reha angetreten.

Bewerten Sie nicht, ob etwas geholfen hat. Das von innen heraus über Monate zu beurteilen, ist ehrlich gesagt kaum möglich, und gerade bei Rückenschmerzen laufen mehrere Behandlungen oft parallel. Ein Datum, neben dem die Tage der folgenden Wochen stehen, ist die brauchbarere Angabe als ein Urteil. Wer im Termin sagen kann, dass die Physiotherapie am elften begann und die durchschnittliche Stärke in den drei Wochen danach von sechs auf vier ging, sagt etwas anderes als "hat vielleicht ein bisschen geholfen".

7. Die guten Tage sind die Hälfte der Aussage

Ein Tagebuch, das nur an schlechten Tagen geführt wird, erzeugt eine Sammlung schlechter Tage. Das ist keine Aussage über den Verlauf, weil der Nenner fehlt.

Tragen Sie deshalb auch die unauffälligen Tage ein, und sei es mit einer Null und einem Strich. Erst dadurch wird aus zwölf schlechten Tagen die Angabe zwölf von dreißig, und erst die lässt sich beim nächsten Termin mit dem Zeitraum davor vergleichen. Es ist zugleich eine Form, in der eine Verbesserung sichtbar werden kann, und bei Rückenschmerzen ist eine Verbesserung oft genau das, was belegt werden muss, damit eine Behandlung fortgesetzt wird.

8. Eine Seite für den Termin

Bringen Sie zum Termin nicht sechs Monate Rohdaten mit. Bringen Sie eine Seite mit, und die Rohdaten für den Fall, dass jemand hineinschauen möchte.

Auf die eine Seite gehören: der Zeitraum, die Anzahl der Tage mit Beschwerden gegenüber der Gesamtzahl, die Stellen mit den meisten Einträgen, ob und wie weit es ausgestrahlt hat, die Tage mit ausgefallener Funktion, und die Behandlungs- und Medikamentenänderungen mit Datum. Das ist die Zusammenfassung, die im Termin in einer Minute gelesen werden kann, und sie ist der Grund, warum sich das tägliche Aufschreiben überhaupt lohnt.

Halten Sie es klein, sonst halten Sie es nicht durch

Der häufigste Einwand gegen tägliches Dokumentieren ist berechtigt: ein Protokoll, das zum ständigen Nachdenken über den Schmerz zwingt, ist eine zweite Belastung. Die Antwort darauf ist der Umfang, nicht der Verzicht.

Ein Eintrag, der aus Antippen der Stellen, zwei Zahlen und einer kurzen Zeile besteht, dauert eine halbe Minute. Machen Sie ihn einmal am Tag zu einer festen Zeit, am besten abends, und deuten Sie nichts. Wenn ein Tag fehlt, tragen Sie ihn nicht nach, sondern lassen ihn leer. Eine Aufzeichnung mit Lücken ist immer noch eine Aufzeichnung. Eine, die nach zwei Wochen abgebrochen wurde, weil sie zu viel verlangt hat, ist keine.

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